Montag, 16. Januar 2017

Kryptische Botschaft

Bitte verzeihen Sie, wenn ich in dieser Nacht etwas geheimnisvoll berichte: Vor einem Jahr stand ein ganz neues Auto für mich bereit, aber mir ging es so schlecht, dass nicht daran zu denken war, es noch jemals zu benutzen.
Es konnte weiterverkauft werden, aber ein bisschen trauere ich immer noch. Da hilft auch nicht, wenn meine Frau sagt, denk daran, es gibt es noch viel Schlimmeres. Ein kleiner Trost ist nun der neue Bordcomputer, den ich für die letzte Reise in Betrieb genommen habe. Er wird mir und auch meinen Angehörigen zu Diensten sein, wenn es auf die große Reise geht. Schwerpunkt ist das Abgasverhalten, aber mehr verrate ich nun wirklich nicht.😇

Nachtrag am 12.02.2017

Eine schlechte Nacht mahnte mich, tatsächlich die Endlichkeit meines Lebens ernst zu nehmen.
Ein Probelauf mit dem neuen Gerät brachte die erwarteten Ergebnisse und die Investition scheint sich gelohnt zu haben.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Online-Vortrag für die Prostata SHG

„Chemotherapie und Second-Line-Medikamente - Erfahrungen, Ansprechraten, Nebenwirkungen, Resistenzen“
Das war der Titel des heutigen Vortrages von Prof. Dr. Thomas Steuber von der bekannten Martini Klinik in Hamburg (Dieter war dort zur OP).
Für mich eine gute und eine schlechte Nachricht. Nehmen wir erst die Gute: Alle diese Therapiemöglichkeiten sind in meinem Krankenhaus bekannt und werden mir angeboten. Ganz neue Verfahren (z.B. Lutetium) sieht Prof Steuber eher skeptisch.
Die Schlechteda beißt die Maus keinen Faden ab, das bedeutet umgangssprachlich: Bestätigung einer Aussage – daran ist nicht zu rütteln, das ist unabänderlich, das ist so und nicht anders, dagegen ist nichts zu machen. Auch bei dieser Darstellung bin ich dem Ende schon sehr nahe gekommen ...

Mittwoch, 11. Januar 2017

70 Cent gespart

Welche Bürokratie sich um einen gesetzlich versicherten Fall rankt, ist für den Patienten kaum durchschaubar. Nun, wenn alles klappt will ich es auch gar nicht wissen.
Jedenfalls braucht das Krankenhaus zum Jahresbeginn, bzw. jedes Quartal eine Überweisung vom Hausarzt, um tätig werden zu können. Warum ich diese Überweisung persönlich zu meiner Onkologie brachte, kann ich nicht erklären. Sicher nicht, um 70 Cent zu sparen. Meine Frau spekulierte schon mit einer Art Hassliebe, die mich da hin trieb. Der nächste, reguläre Termin ist erst wieder am 1.2.2017.
Es freute mich, dass ich dem Arzt, der mich normalerweise betreut, vor Ort noch ein gutes Jahr wünschen konnte. Ansonsten verließ ich diese Stätte wieder so schnell, wie Eis und Schnee es erlaubten.

Montag, 9. Januar 2017

Erster Besuch 2017 in der Onkologie

Ich bin durch die "Knochenspritze" wieder im 4 Wochen Rhythmus - wenn nichts dazwischen kommt!!!
Es war klar, dass ich bei meinem ersten Besuch 2017 nicht den Arzt treffen würde, mit dem ich normalerweise spreche. Trotzdem habe ich alles an Beschwerden usw. genau aufgeschrieben und Unterlagen zu den wenigen, noch verbleibenden Therapiemöglichkeiten gesammelt. Dem Arzt war Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als ich das auspackte: "Sie werden doch wohl nicht das alles mit mir besprechen wollen, Sie brauchen doch nur ein Rezept ..."
Die Sache war dann in 5 Minuten erledigt. Als ich nach 3 Stunden wieder zuhause ankam, fragte die Familie, die meinen Leidensweg kennt. "Ja und, was hat der Arzt gesagt?"
Ich kam mir vor, wie unsere Kinder, als sie noch zur Schule gingen und die Mutter mittags eindringlich fragte: "Wie war es denn in der Schule ???"
Ich verstehe den Arzt, er hat oben auf der Station meist noch ganz andere Fälle liegen, als meinen.

Sonntag, 8. Januar 2017

Weihnachten 2016 ist Geschichte

Heute heißt es endgültig Abschied nehmen: Weihnachten 2016 ist Geschichte!
Schon vor einem Jahr habe ich unter dem Aspekt, dass es das letzte sein könnte, überlegt, was uns daran so gefällt. Jedes Jahr der Versuch, das gleiche Ritual aufrecht zu erhalten und auch die Kinder wollen es in die nächste Generation hinüberretten, wie Sohn Florian mit seinem Karpfen zeigte.
Krebsbilanz: Insgesamt war er gnädig mit mir, der Baum musste sich zwar schon einiges anhören, wenn ich alleine war. Doch irgendwann ließ der Schmerz nach und ich konnte ihn für eine Weile vergessen. Dafür gab es dann Freude über die vielen, lieben Weihnachtsgrüße. Aber da war auch noch der schmerzliche Abschied von Dieter und seiner Frau. Obwohl ich das mitgeplant habe, oder vielleicht auch gerade deshalb, bin ich darüber noch nicht hinweg.
Mein schönstes Geschenk?  Es war der "Originalgetreue auna Tonal Horn-Lautsprecher Bluetooth Aluminium-Trichter Holzgehäuse". Er lässt echtes Vintage-Feeling aufkommen. Sein Design wurde klassischen Trichter-Lautsprechern aus den 1920er Jahren nachempfunden und mit modernen Übertragungstechnologien ausgestattet.
Man kann den Klang nicht beschreiben, besonders gut kam weihnachtliche Bläsermusik. Als Morphinersatz hat es aber meistens doch nicht gereicht.
                               Vielen Dank, lieber Krebs, dass ich Weihnachten 2016 noch so erleben durfte!

Freitag, 6. Januar 2017

Gedenktag

Bevor ich demnächst 3 Jahre Diagnose "feiern" werde, muss ich an einen anderen Tag in meiner Gesundheitslaufbahn erinnern.
Vor 10 Jahren stürzte ich am Ende einer Radtour - das Wetter war unerwartet schön geworden - bei einem sog. Abstieg über den Lenker so unglücklich vom Fahrrad, dass in beiden Händen Knochen gebrochen waren, die eine OP nötig machten. Es lag nicht an dem einen Aventinus, den ich getrunken hatte, sondern ich hatte mich erschreckt, als eine Auto plötzlich aus der Kurve kam, und die Vorderradbremse an meinem MTB zu heftig angezogen.
So lernte ich "mein" Krankenhaus kennen, in dem ich heute Stammgast bin.
Der Unfall hätte auch tödlich sein können. Der Krebs wäre mir erspart geblieben, aber ich hätte auch ganz viel Schönes versäumt!

Wer hat mir da geschrieben?

Hallo Klaus,
... Wir müssen der Realität ins Auge sehen – ob gut oder schlecht, wir müssen ihr ins Auge sehen, nach ihr leben, sie akzeptieren und aussprechen, wie die Dinge stehen.
Was meine ich, was wir tun sollten? Stellt euch den Tatsachen! Seht dem unvermeidlichen Tod von Hochrisikopatienten durch diese Krankheit ins Auge. Und lebt für den Augenblick.
Ich glaube, wenn ein Patient erst einmal sich selbst eingesteht, dass diese Krankheit ihn in absehbarer Zeit umbringen wird, und diese Tatsache wird von seinen Lieben um ihn herum akzeptiert – dann öffnet sich ihm und seinen Lieben ein ganz neues Leben. Ein neues Leben und Glück, wie er sie vielleicht nie zuvor erlebt hat, eine Glück und eine Zufriedenheit mit sich selbst, die ihm in diesen verbleibenden Jahren viele frohe Dinge bescheren werden. Ein wahres Glück, das viele, die jeden Tag ihres Lebens mit der Krankheit kämpfen, nie erreichen oder auch nur verstehen.
Weg mit der Diät, weg mit den Nahrungsergänzungen, weg mit allem, was dem Patienten keine Freude bereitet. Wenn nichts davon hilft, und wir haben Hinweise dafür, dass sie es in diesem Stadium nicht tun, warum den Patienten mit einem Haufen Unsinn belasten und ihm falsche Hoffnung geben. Weitere Behandlungen, die vielleicht schlimmer sind als gar keine Behandlung und ohne Beweis, dass sie sein Leben verlängern – ich möchte den Rest meiner Tage in vollen Zügen genießen. Lasst den Patienten doch Dinge tun, die er immer tun wollte, aber nie konnte. Angeln in Alaska – na los! Kreuzen in der Karibik – mach's! Fallschirmspringen – hol dir den Kick. Gebt ihm die Chance, zusammen mit seiner Partnerin jede Minute seines Lebens bis zur Neige auszukosten. Sag nicht, dass du etwas nicht kannst – er weiß es selbst, und er kann solche Entscheidungen treffen.
Lasst ihn in Ruhe, und lasst ihn tun was er möchte, um die ihm verbleibenden Jahre zu genießen. Auf längere Sicht werden die Familie und die Lieben einsehen, dass sie ihm darin schon voraus sind.
Wenn dann die Zeit kommt, dass seine Familie ihn nicht mehr pflegen kann – holt die Hilfe eines Hospizes. Wenn er das Vorstehende getan hat, dann wird er die Hilfe des Hospizes für sich und diejenigen begrüßen, denen geholfen wird, ihn zu versorgen. Und wenn die Zeit kommt, versammeln sich alle in der Erinnerung an all die schöne Zeit, die sie zusammen verbracht haben, und wenn er hinübergeht, dann ohne Schmerz und Bedauern.
Jedenfalls sehe ich es so, und ich denke, dies ist das Beste, was wir für den Patienten tun können – lasst seine verbleibenden Tage glückliche Tage sein!
Don

Danke Don! Ich habe nun schon bald 3 Jahre versucht, so zu leben. Manches ist gelungen, für einiges ist es zu spät und ein paar Sachen muss ich noch tun! Zu den verrückten Dingen zählt, dass ich mit einem Freund an einer Option gearbeitet habe, die ermöglicht, Abfahrtszeit und den -ort für die letzte Reise selbst zu bestimmen. Ohne dass wir uns abgesprochen hätten, hat er sich schon auf den Weg gemacht! Für mich sind die Kriterien, die ich mir gesetzt habe, noch nicht erfüllt. Ich beobachte z.B. meine Lebensqualität:
http://letztabent.blogspot.de/2016/09/lebensqualitat.html
Ich nähere mich nun den 60% und bis ca. 50% will ich noch mitmachen. Eventuell gelingt es mir noch, einen Alternativ-Abfahrtsort zu realisieren. Am wichtigsten erscheint mir, die Zeit zu nutzen, in der mein Geist noch aktiv und nicht im Sumpf der Schmerzen und körperlichen Gebrechen versunken ist!




Mittwoch, 4. Januar 2017

Neujahrsgrüße - anders

Mein lieber Dieter,
eigentlich kann ich Dir gar keine Neujahrsgrüße schicken, weil es bei Euch keine Zeit mehr gibt?
2 Stunden auf ein 5 Minuten-Arztgespräch warten, wie ich es heute erlebt habe, hätte Dich auch nicht geschockt. Nun, auch eine Onkologie im irdischen Krankenhaus muss erst wieder in Fahrt kommen ...
Dafür habe ich beim Warten einige interessante Schriften gefunden und studiert, die mir helfen könnten, aus dem Jahr 2017 doch noch etwas zu machen.
Ich hoffe, es ist Dir schon gelungen, aus der Cloud, die unseren Planeten umschließt, die Daten für Dich herauszufischen. Ich werde Dir gelegentlich berichten - habe ich mir vorgenommen!

Dienstag, 3. Januar 2017

Das Leben geht weiter

So, morgen kommt sie wieder weg, die improvisierte Trauerecke für Dieter und seine Frau, die ich in der Nähe des Weihnachtsbaumes eingerichtet hatte.

Dieter würde mir sagen, kümmere Dich jetzt um Deine Therapiemöglichkeiten und bereite Dich gründlich auf Deinen Termin am Mittwoch vor. Das bist Du auch Deiner Frau schuldig!

Darin war er mir ein Vorbild, wie es sich um seine Frau sorgte, die ja auch krank war. Seit ich ihn kannte, sprach er immer davon, dass er zusammen mit ihr gehen möchte, wenn es einmal so weit ist. Er hat es geschafft, ging mir heute nicht aus dem Kopf.
Das Bild stammt von unserem Treffen im Sommer 2015.

Montag, 2. Januar 2017

Mein lieber Dieter,

eine so vertraute Anrede verwende ich im öffentlichen Raum des Internets selten, aber bei Dieter war sie angebracht! Im Herbst 2014 wurde er auf mich aufmerksam, als ich in diversen Foren zu unserer Krankheit nach Hilfe suchte. Er hat dann von sich aus die Schranke der Anonymität geöffnet und persönlich mit mir Kontakt aufgenommen. Ich durfte viel von ihm lernen, konnte aber auch wieder etwas zurückgeben, als wir die Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Ende "ingenieurmäßig" untersuchten.
Mein lieber Dieter, Deine Therapieerfolge und Prognosen waren doch eigentlich gut! Nie hätte einer gedacht, dass Du mich rechts überholen könntest, wie Du es am 18.12.16 getan hast. Trotzdem, Danke !!!