Donnerstag, 9. Februar 2017

Angst

Vor einem Jahr war für mich der schlimmste Tag des Jahres 2016. Die Urologen konnten nichts mehr für mich tun und ich hatte meinen ersten Termin bei den Onkologen. Mir ging es so schlecht, dass ich mich nicht stark genug für die Chemo fühlte, die mir von allen empfohlen worden war.
Und dann geschah am Faschingsdienstag auch noch das schreckliche Eisenbahnunglück bei Bad Aibling! Ich haderte mit meinem Schicksal - warum saß nicht ich vorne in einem dieser Züge ???
Morgen gehe ich mit sehr gemischten Gefühlen zu dem Termin in der onkologischen Ambulanz. Eine zweite Runde Docetaxel-Chemo hat begonnen...

Sonntag, 5. Februar 2017

Welt-Krebs-Tag

Hat jemand was mitbekommen, von diesem Tag? Mir ging es eigentlich ganz gut, vielleicht zehre ich noch von der im Kranzbach getankten Energie?
Jedes Jahr am 04. Februar findet der Welt-Krebs-Tag (World Cancer Day) statt, der von der UICC, der Union internationale contre le cancer – zu Deutsch Internationale Vereinigung gegen Krebs – koordiniert wird. Die internationale Organisation mit Sitz in der Schweiz widmet sich der Erforschung, Prävention und Behandlung von Krebserkrankungen und umfasst 276 Mitgliederorganisationen, die sich auf über 86 Länder der Erde verteilen. In Deutschland gehören die Deutsche Krebsgesellschaft, das Deutsche Krebsforschungszentrum sowie die Deutsche Krebshilfe zu den Mitgliedern und Teilnehmern am Welt-Krebs-Tag.
Der Welt-Krebs-Tag gibt in jedem Jahr Anlass, über das Thema Krebs aufzuklären. Dazu gibt es weltweite Kampagnen und die vielfältigsten Veranstaltungen, Gesundheitstage, Vorträge und Aktionen zum Thema Krebs. Thematisiert werden dann z. B. die Prävention und Früherkennung oder die Therapie und die Auswirkungen der Erkrankung. Immerhin zählt Krebs zu den Krankheiten, die von den Deutschen am meisten gefürchtet werden, obwohl sich die Heilungschancen in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend verbessert haben. Vielfach ist nicht bekannt, dass einige Krebserkrankungen heutzutage bereits wesentlich häufiger gute Therapie- und sogar Heilungschancen haben. 
Aus: http://www.curado.de/welt-krebs-tag-25449/

Donnerstag, 2. Februar 2017

Wendepunkte

Es ist kaum zu glauben, wie viele Bücher es zum Thema Sterben gibt. Aus der Sammlung meiner Frau habe ich mir eines herausgegriffen, da man hier in den Bergen gut nachdenken kann. Es heißt: "Gut Sterben". Wer wissen will, welche Möglichkeiten ihr oder ihm am Lebensende bleiben, tut gut daran, dieses Buch zu lesen“ (Dr. Timothy E. Quill, Direktor des Palliativ-Progamms der Uni Rochester, New York). Wie wünschen wir uns unser Ende? In Frieden, in Würde und selbstbestimmt. Wir werden immer älter. Der medizinisch-technische Fortschritt hilft uns dabei. Das ist schön. Aber was geschieht, wenn wir schwer krank werden? Die moderne Medizin in den Industriestaaten stellt Ärzte, Patienten und ihre Angehörigen vor ein Problem: Sollen sie Schwerstkranken helfen, ihr Leben zu beenden? Wer entscheidet, wann ein Leben zuende gehen soll, wenn die Betroffenen selbst nicht mehr mitsprechen können? Können Patientenverfügungen Klarheit schaffen? Und wie müssen sie formuliert sein, um Sicherheit in allen rechtlichen und medizinischen Grenzfällen zu schaffen?
Dieses Buch erläutert die Problematik am Beispiel von zahlreichen Patientengeschichten. "Dr. Wanzer bringt in dieses wunderbare, warmherzige und weise Buch nicht nur seine jahrzehntelange Erfahrung als praktizierender Hausarzt ein, sondern auch seine Perspektive als führender Vertreter der Bewegung für Patientenrechte“, urteilt Professor Charles H. Baron von der renommierten Boston College Law School.
Mein Kommentar: In dem Buch werden zwei Wendepunkte definiert: Der erste spielt sich ab, wenn klar ist, dass keine Heilung möglich ist, also nur noch palliativ behandelt werden kann. Hier hat schon ein Umdenken stattgefunden, jedenfalls habe ich erlebt, dass ich sehr großzügig mit Schmerzmitteln versorgt werde. Es gibt aber Fälle, wo auch das nicht mehr reicht und hier sei der Patient am zweiten Wendepunkt angekommen. Die Beschwerden werden so, dass eine Beschleunigung des Sterbeprozesses gewünscht wird. Damit umzugehen ist bei uns leider sehr schwierig geworden, wie ich neben eigenen Erfahrungen auch in Facebook Diskussionen gesehen habe.
Gut sterben: Würdevoll, friedlich, selbstbestimmt Taschenbuch – 10. Januar 2009 von Joseph Glenmullen (Autor), Wolfgang Prosinger (Nachwort), Andreas Simon dos Santos (Übersetzer)

Mittwoch, 1. Februar 2017

Wenn ich noch einmal lebte, dann würde ich

"Hier sterben, aber noch nicht in diesem Jahr", hat hier einer auf die Tafel geschrieben, die auch ich schon oft benutzt habe.
Die Aussage ist nicht ganz logisch, aber doch zum Nachdenken. Es ist ein Geschenk, hier noch einmal die Seele baumeln lassen zu können. Beim Packen dachte ich an unsere vielen großen Reisen und es kam schon etwas Wehmut auf. Aber der Aufenthalt hier im Kranzbach ist Ersatz für eine Kreuzfahrt und schon die Tiefenentspannungsmassage heute war die Reise wert, wie man an meinem großen Zeh rechts im Bild deutlich erkennen kann. Hoffen wir, dass die "Krebs-Katze" so schnell nicht wieder zuschlägt!

Montag, 30. Januar 2017

Mir fehlen die Worte

Ein besorgter Vater hat am Sonntagmorgen 29.1.2017 die Leichen von sechs jungen Frauen und Männern entdeckt, darunter seine eigenen Kinder.
Es sollte eine gemütliche Feier im kleinen Kreis werden. Doch für sechs junge Erwachsene endet der Abend in einer Gartenlaube tödlich. Der Besitzer der Hütte findet am nächsten Morgen ihre Leichen, darunter seine eigenen Kinder.
Für den Vater muss es der blanke Horror gewesen sein. Seine Kinder, gerade volljährig, feiern zusammen mit Freunden in einer abgelegenen Gartenhütte. Als sich nach der Party niemand meldet, macht der Vater sich Sorgen, fährt nachschauen - und findet alle sechs jungen Erwachsenen im Alter von 18 und 19 Jahren tot. Warum sie starben, ist zunächst völlig unklar. Ein Gewaltverbrechen schließt die Polizei nach dem Fund am Sonntag aber früh aus.
Da ich mich mit diesem Thema gründlich befasst habe, ist mir ziemlich klar, was da passiert ist. Einfach furchtbar bei Menschen, die das Leben noch vor sich hatten !
http://www.onetz.de/bayern-r/vermischtes-by/drama-in-unterfranken-sechs-junge-leute-tot-in-gartenlaube-gefunden-d1726882.html
Nachtrag am 2.2.2017
Tragödie von Arnstein war CO-Vergiftung durch Abgase aus Stromaggregat
Nach dem Tod von sechs jungen Erwachsenen in Arnstein durch eine Kohlenmonoxidvergiftung steht die Ursache nun fest. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft war ein mit Benzin betriebenes Stromaggregat für den tödlichen Gasaustritt verantwortlich.
Demnach war das Aggregat nicht für den Gebrauch in Innenräumen zulässig, unter anderem weil die Abgase heiß sind und zu Bränden führen können. Ein Stromaggregat ist nichts anderes als ein PKW-Motor, nur kleiner. Dadurch entstehen die Abgase und ich muss schauen, dass ich diese sicher ableite. Es sind unverbrannte Bestandteile drin, es ist Kohlenmonoxid drin und das muss sicher abgeführt werden - auf keinen Fall in geschlossenen Räumen. Das Kohlenmonoxid ist geruchlos, sie können es weder riechen noch sehen. Sie merken selbst nicht, dass Sie damit vergiftet werden.
Weiterer Nachtrag am 4.2.2017
In der SZ erschien  noch einmal eine gute Erklärung zur Wirkung von CO 
So wirkt CO, der stille Mörder
Nicht zu Unrecht trägt Kohlenstoffmonoxid unter Bergleuten den ehrfürchtigen Namen "the silent killer", der stille Mörder. Kohlenstoffmonoxid, kurz CO, entsteht bei einer unvollständigen Verbrennung und ist für den Menschen tödlich. Man kann das Gas nicht schmecken, nicht riechen, nicht sehen, es dringt durch Ritzen und Türen und führt bei hoher Konzentration umgehend zum Kreislaufversagen. Allein im Jahr 2015 sind in Deutschland etwa 4100 Vergiftungen durch CO bekannt geworden, 648 davon endeten tödlich. Mehr als 600 dieser Opfer wurden bereits tot aufgefunden oder starben, noch bevor sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden konnten.
Etwa 200 bis 300 Mal stärker als Sauerstoff bindet das giftige CO an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, wichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen im Blut eines Menschen. Hämoglobin transportiert normalerweise Sauerstoff von der Lunge in die Zellen, wo er zur Energiegewinnung benötigt wird. Kohlenstoffmonoxid aber stürzt sich förmlich auf das Hämoglobin und verdrängt den lebenswichtigen Sauerstoff. Dieser hat dann nur noch wenig Chancen auf eine Mitfahrgelegenheit durch die Blutbahn. "Man darf sich das wie einen Boxkampf vorstellen, Sauerstoff gegen CO", sagt Guido Kaiser, Toxikologe an der Universität Göttingen. "Nur, dass CO die viel größeren Boxhandschuhe trägt."
In Folge leidet der Körper unter Sauerstoffmangel, der Mensch atmet, doch die Luft kommt nicht an. Patienten werden müde, sie klagen über Schwindel und Kopfschmerzen - und werden bewusstlos. Diese Bewusstlosigkeit ist tückisch, denn die Opfer haben keine Chance mehr, den Brandherd zu löschen oder sich ins Freie zu retten. Werden Menschen mit schweren Rauchgasvergiftungen nicht rechtzeitig behandelt, so sterben sie. Um das zu verhindern, verabreichen Ärzte das einzige Gegengift, das es gibt: Sauerstoff, hoch dosiert. Zwar trägt Sauerstoff weiterhin die kleineren Boxhandschuhe, aber wenn sehr viele von ihnen auf das CO im Blut einprügeln, haben sie eine Chance.
FELIX HÜTTEN

Sonntag, 29. Januar 2017

Die Grenzen ärztlicher Kunst werden erfahrbar

Ein über Nacht ziemlich kaputt gegangener Mund und Rachen veranlasste mich heute am Sonntag doch den ärztlichen Dienst zu besuchen. Zufällig hatte der Arzt Dienst, der mir vor wohl nun fast 3 Jahren erklärt hatte, wenn er sich einen Krebs aussuchen könnte, würde er meinen wählen (er meinte wohl die Therapiemöglichkeiten und Wachstumsgeschwindigkeit). Mein druckfrischer Arztbrief machte ihn aber dann doch ratlos und ich spürte die Grenze, der ich mich nun nähere. Außer ein paar harmlosen Mitteln hatte er keine Empfehlung mehr für mich.
Damit werde ich nun leben müssen und ich habe mir fest vorgenommen, nun doch Ordnung in den Rest meines Lebens zu bringen. Meiner Familie danke ich für die verständnisvolle Unterstützung und hoffe, dass der Ausflug nächste Woche doch noch gelingt.

Freitag, 27. Januar 2017

Die richtigen Worte finden

steht auf einer der Schriften, die auf Station 8 im Aufenthaltsraum für die Krebs-Patienten aufliegen. Dazwischen lieb gemeinte Faschingsdeko, von der man als Patient aber eher seltsam berührt ist. Wenn ich aus dem Fenster sehe, erkenne ich auf der anderen Straßenseite das Bestattungsinstitut, wo ein Vorgang für mich vorbereitet ist. Über das Patientenzimmer hat man zu schweigen, das gebietet die Diskretion. So vielfältig sind die Eindrücke eines stationären Aufenthaltes. Aus meinem Schmerztief hat man mir
herausgeholfen, der Therapiewechsel könnte im Lebenszeit-Puzzle noch mal ein paar Monate bringen, die es nun wirklich zu nutzen gilt. Der Vergleich mit anderen Patienten und das sorgsame Hören auf das, was die Ärzte nicht sagen, zeigte mir, wo ich stehe. Groß war die Freude, aus eigenen Kräften - vorübergehend schmerzfrei - wieder nach Hause gehen zu können!

Ludwig Hirsch

Die Nächte können im Krankenhaus verdammt lang werden. Ich stöberte in meiner Musiksammlung und stieß auf Ludwig Hirsch, dessen Lieder wir früher gerne hörten. Besonders bekannt ist: "I lieg am Ruckn." Angeblich durfte es in Ö3 nach 22Uhr nicht mehr gespielt werden, um niemanden auf dumme Gedanken zu bringen. Erst jetzt durch meine Krankheit  erlebe ich eine neue Beziehung zu diesem Künstler auf verschiedenen Ebenen. Er wurde 1946 geboren und im November 2011 gab es diese Meldung: Seit einer Woche hielt sich Ludwig Hirsch zur Untersuchung im Wiener Wilhelminenspital auf - in der Nacht zum Donnerstag nahm er sich dort das Leben. Der österreichische Liedermacher wurde am Donnerstagmorgen tot unterhalb eines Fensters des Krankenhauses aufgefunden. "Die Polizei geht von Selbstmord aus", sagte ein Polizeisprecher.

Sonntag, 22. Januar 2017

Die Türe

Die Türe, so nannte mein Freund Dieter seine Option für ein selbstbestimmtes Ende. Wir zwei - beide Ingenieure - haben uns darauf gestürzt, das Verfahren zu optimieren und sicher zu machen. Anfangs hat es sogar Spaß gemacht, etwas tun zu können, gegen die finstere Gestalt die da in der Ecke auf uns wartet. Je näher der Termin rückt, umso schwieriger aber wird der Umgang mit diesem Thema, und: den Dieter kann ich leider nicht fragen ...
Ich habe ein neues Buch bekommen. Uwe Schulz befragt hier 17 Leute, die sich auf das Ende vorbereiten. Rechts sehen Sie meine Türe! Die meisten der von Schulz befragten glauben, dass nach dem Tod noch was kommt. Ich empfinde das heute nicht mehr als Widerspruch. Egal, wie es danach weitergeht: Wir werden uns treffen!

Dienstag, 17. Januar 2017

Ist es genug?

Mit dieser Frage wurde ich in der vergangenen Nacht wach. Ich pirschte mich aus der Hörweite meiner Frau und rief das durch´s Haus! Vor einem Jahr habe ich eine gute Erläuterung dieser Frage gefunden:   http://letztabent.blogspot.de/2015/12/es-reicht-es-ist-genug.html
Läuft das, was heute noch als normaler Weg gilt, nicht so: Der Patient und seine Rufe werden immer schwächer. So folgert man schließlich, er sei doch eigentlich friedlich eingeschlafen!
Dann gibt es auch noch den anderen Ratschlag, man solle das Fest beenden, wenn es am schönsten ist.
Es ist nicht leicht, wenn man die Verantwortung für das Ende selbst mittragen will!