Dienstag, 4. Juli 2017

PSA- Terror

Ein Arzt, der mich liebevoll im Hintergrund begleitet, hat mir einmal geschrieben; "Lassen Sie sich von dem PSA nicht verunsichern! Es gibt den Ausdruck des PSA- Terrors, der hier seine Berechtigung hat."
Gemeint waren da wohl eher die Ängste, die entstehen, wenn in der Anfangszeit der PSA zu steigen beginnt. Auch ich habe da ein Lineal an die Kurve gelegt und einen Strich gezogen, wo er hinläuft, wenn sich nichts ändert.
In der Darstellung rechts habe ich versucht, die Schmerzen und Beschwerden über meinen Kranksheitsverlauf in einem Diagramm darzustellen, wobei 10 der schlimmste Wert ist. Es zeigt sich auch hier, dass gerade im letzten Jahr kein zwingender Zusammenhang mit dem PSA-Wert besteht. Trotzdem hatte ich mich so über die 1,7 gefreut! Doch meine linke Kopfhälfte signalisiert heute was anderes ...😞

Donnerstag, 29. Juni 2017

Wunder gibt es immer wieder ...

das war ich versucht, heute zu singen, als ich das Krankenhaus verließ. Eine große Überraschung war der kleine PSA Wert, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Ausnahmsweise will ich hier einmal ein Bild aus myprostate.eu präsentieren. Der PSA Wert ist dort ja ein ein ganz wichtiger Wert, an dem man die Verläufe der "Kollegen" beurteilt. Ich hatte diesen Wert gar nicht mehr so oft messen lassen, da er angeblich in meinem Stadium auch nicht mehr so wichtig ist. Trotzdem war es eine große Freude, dass er nach 4 Wochen Xtandi auf einen erstaunlich niedrigen Wert von 1,7 gefallen ist. Hat mir das Kleeblatt aus Kranzbach doch Glück gebracht? Der Wert deckt sich auch mit meinem Gefühl: Xtandi scheint mir gut zu tun! Abgesehen von irreparablen Schäden am Kopf, wie z.B. die kaputten Zähne, geht es mir recht gut. Das mit den Doppelbildern ist wesentlich besser geworden. Mein Onkologe hat mir nun auch schwächere Morphintabletten verschrieben, damit ich die Dosis langsam reduzieren kann.  Bleibt nur die Hoffnung, dass Xtandi lange wirkt.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Glück ?

Vor 2 Jahren habe ich mich gefreut, auf dem Krankenhausgelände ein vierblättriges Kleeblatt zu finden. Dies war dann auch noch mit einem positiven Ereignis meines Verlaufes verbunden : http://letztabent.blogspot.de/2015/06/gluck-gehabt.html
Seitdem schaue ich gerne auf den Boden, um wieder so ein Blatt zu finden. Es gab keines mehr und der Zustand meiner Augen machte es auch unmöglich.
Heute am Waldrand zu unserem Hotel fand ich eines! Hier links das Beweisfoto, wie es noch in der Wiese steht.
Aber dann habe ich das prächtige Blatt doch an mich genommen, um es meiner Frau zu zeigen. Wir beschlossen, es der Ärztin hier zu schenken, die sich liebevoll um mich kümmert und heute eine Behandlung zur Pflege meines Darmes geplant hat.

Dienstag, 20. Juni 2017

170 Höhenmeter

Eine kleine Wanderung von Kranzbach zur Elmauer Alm mit diesem Höhenunterschied war früher überhaupt kein Problem für mich.
Auch 2015, als die übliche erste Hormonentzugstherapie voll ihre Wirkung entfaltet hatte, ging das noch recht gut.
Nun, nachdem bald alle Therapien aufgebraucht sind, wagte ich noch einmal einen Besuch in unserem Lieblingshotel.
Xtandi hat mich ermutigt, die Elmauer Alm zu besuchen.
Ehrlich muss ich aber sagen, der letzte Berg, der da zu besteigen ist, hat mir meine Grenzen gezeigt! Ich wusste, dass sie montags geschlossen haben und hatte mein Cola (mit ein klein wenig Rum) dabei. Aber der Weg - ohne meine Stöcke hätte ich das nicht mehr geschafft und es hat mich schon etwas erschreckt, wie ich abgebaut habe. Andererseits ist da auch etwas Freude, es überhaupt geschafft zu haben und ein Gang über die Blumenwiesen ist einfach ein Erlebnis für das es sich lohnt, noch auf dieser Welt zu sein.
In diesem Hotel sind wir schon fast zuhause. Man weiß um meine Krankheit und alle freuen sich, wenn wir ab und zu wieder auftauchen.
Ebenso schön war auch vorher der Besuch beim Pfarrfest in unserer alten Heimat.
Ohne die Xtandi Therapie wäre das alles kaum möglich gewesen. Aber ich bin mir bewusst, dass es auch jetzt eine zeitliche Grenze geben wird. Irgendwann werden eventuell doch die Kohlen ausgepackt?

Freitag, 9. Juni 2017

Nachlassen der geistigen Fähigkeiten ???


Vor fast einem Jahr habe ich das Bild der Katze benutzt, um den Umgang meiner Krankheit mit mir, der kleinen, armen Maus zu vergleichen: http://letztabent.blogspot.de/2016/08/uroonkologie-zweites-semester.html
Einige, irreparable Schäden habe ich in diesem Kampf sicher davon getragen, schlimm sind vor allem die Störungen am Kopf durch die Knochenmetastasen. Doch scheinbar lässt mich die Böse (dank Xtandi ?) wieder einmal frech werden. Ein Aufenthalt im Kranzbach ist gebucht und der Gipfel der Frechheit: Ich will zu einem Schiller-Konzert.
Wer kennt Schiller? ich meine hier nicht den Sturm und Drang Dichter, mit dem man uns im anderen Leben einmal in der Schule gequält hat, sondern "Klangwelten". Ich habe schon einige DVDs und gehe damit öfter nachts in meinem Keller-Kino in Konzerte, die die Welt vergessen lassen.
Meine Frechheit gegenüber der Katze ist vor allem: Das Konzert findet am 21.11.2017 statt. Das wären also noch etwa 5 Packungen Xtandi bis dahin und kein Arzt hat mir das versprochen. Vielleicht zeigt sich aber bei mir auch schon eine häufige Nebenwirkung, wie sie im Beipack von Xtandi beschrieben ist: Nachlassen der geistigen Fähigkeiten, und dann auch noch dauernd Morphin ???

Dienstag, 6. Juni 2017

Danke Xtandi

Der Wechsel von Chemo nach Xtandi hat sich bewährt und das Familientreffen zu Pfingsten ist gelungen. Es war mir ein Bedürfnis, das wieder wieder mit einem aktuellen Familienbild zu dokumentieren. Einfach schön zu sehen, wie das Leben weitergeht und unsere Kinder das auf ihre Weise weitertragen, was wir gelebt und erlebt haben.
Das Bild eignet sich, um nach zudenken: Da stehen links die alten Eltern/Großeltern, die das aktive Leben eigentlich hinter sich haben. Ganz rechts das jüngste Enkelkind Feli blickt noch unbefangen und voll Tatendrang in die Zukunft. Die anderen Enkel haben mit der Schule schon erfahren, dass das Leben kein reines Vergnügen ist. Unsere Kinder und der Schwiegersohn stehen schon eher in der Lebensmitte und die großen Weichen für den Rest des ihres Lebens sind weitgehend gestellt.
Allen ist klar, wie es um den Papa/Opa steht. Aber wir denken, dass doch noch mit ein paar Monaten zu rechnen ist und auch die Zähne haben sich einigermaßen beruhigt. Daher kann er sich über das Treffen freuen, während die betroffene Ehefrau eher skeptisch in die Zukunft blickt, da sie ahnt, was sie vermutlich erwartet, wenn sie alleine mit ihrem Leben fertig werden muss ...

Donnerstag, 1. Juni 2017

Zahn als Zeitmesser, wie lange brauchen wir ihn noch?

Letztes Jahr habe ich einmal die Lebensverlängerungsprognosen der verschiedenen Therapien aufgelistet:
http://letztabent.blogspot.de/2016/09/uberlebenszeit-puzzle.html#links
Da ist nun ganz viel schon verbraucht und jetzt ist auch die erste Packung Xtandi aufgebraucht. Es scheint mir gut zu bekommen. Die Schmerzen sind auf niedrigem Pegel und vor allem, das Sehen ist sogar zeitweise besser geworden, so dass ich gestern wieder einmal Spaß am Autofahren hatte und ohne Probleme die 200km/h Marke erreichte. Da gelingt es sogar, positiv zu sehen und mich an einem Glas "Primitivo" zu freuen, wie es mir Freund Ludwig immer geraten hat.
Aber Xtandi bringt 5 Monate und einer davon ist nun vorbei.
Vor diesem Hintergrund fand ich es ganz toll von meinem Zahnarzt, dass er den letzten Backenzahn, auf dem ich noch kauen konnte, mit viel Amalgam meisterhaft flickte. Von diesem Zahn war kaum noch was übrig, er hatte sich so aufgelöst, dass er sehr schmerzte. Mich die letzte Zeit nur noch mit dünnem Brei über den Strohhalm zu ernähren, hätte die Lebensqualität doch noch weiter herunter geworfen, wo doch überall der Grill raucht. Danke Tommy! http://www.drthomasfrank.de/

Sonntag, 28. Mai 2017

Bitte nicht helfen!

Wenn ich im Haushalt versuche, die Dinge zu erledigen, die ich immer gemacht habe, höre ich oft den Ruf "Kann ich Dir helfen". Vielleicht weil ich deutlich langsamer geworden bin? Standardmäßig antworte ich  - leicht gereizt - "Wenn ich Hilfe brauche, dann sage ich Euch das!" So ist der Alltag mit einem Krebskranken auf dem letzten Weg. Das Angebot zur Hilfe ist sicher gut gemeint, kann aber den Betroffenen noch mehr verunsichern, wenn er sich freut, gewisse Aufgaben noch erledigen zu können.
Ich weiß, das ist für Euch Angehörige nicht leicht, den richtigen Umgang mit dem Kranken zu finden, der früher immer recht aktiv alle Arbeit an sich gerissen hat.
Aber ich danke allen für die Geduld und auch für das Verständnis, wenn Ihr nicht mehr so viel von mir hört. Die Kreise, die ich noch ziehe werden kleiner und kleiner, ich bin froh, wenn ich mich in meine Höhle zurückziehen kann. Eben habe ich aber auch noch einmal ein update auf myprostate.eu geschrieben, damit man dort sieht, dass ich noch an Bord bin und noch nicht den Weg von Dieter gewählt habe.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Die letzte Einladung

Nun hat es doch noch geklappt mit der Isarfloßfahrt! Ich danke allen meinen Gästen für den feinfühligen Umgang mit dem kranken Jubilar und Dank auch an meinen ständigen Begleiter, dass ich mit an Bord durfte. Besonders freute mich, dass auch meine Gäste untereinander neue Kontakte knüpften oder alte Beziehungen auffrischten. Es muss ja nicht sein, dass dies immer erst bei dem allerletzten Abschied passiert.
Das Wetter hat auch gut mitgemacht - wie im richtigen Leben: kein durchgehendes Bilderbuchwetter wie vor zwei Jahren, sondern eben auch Blitz und Donner mit einer Dusche, die alle zum Schluss noch so richtig nass machte! Ich hoffe, so bleibt diese Fahrt in guter Erinnerung.
Ein Geburtstagsgeschenk der Süddeutschen Zeitung: Die Bildergeschichte über einen Krebskranken in "BUCH ZWEI". Sie zeigt das, was meine Frau manchmal als Trost versucht: "Denk daran, alles könnte noch viel schlimmer sein". Nun steht kein Termin mehr ins Haus und ich werde mich endgültig dem unaufhaltsamen Rückzug der Kräfte anpassen.
Mein Onkologe hat die Chemo beendet und mir nun auch Xtandi verschrieben. Es wirkt ganz gut und scheint die letzte Bremse zu sein, sozusagen zum Abschluss aller Therapien noch das Dessert!

Samstag, 13. Mai 2017

Noch einmal Geburtstag ?

Als ich vor 3 Jahren versuchte, einen Überblick zu meiner Lebenserwartung zu bekommen, glaubte keiner ernsthaft daran, dass ich auch das Jahr 2017 noch erleben würde.
Der Umgang mit der Krankheit ist mühsam geworden und ich bin bei der letzten noch denkbaren Therapie angekommen. Was mich immer besonders nervt, sind Stimmungsschwankungen, die schwer vorhersehbar und mit Tabletten steuerbar sind.
Aber, wenn man erst einmal an das Morphin gewöhnt ist, geht nichts mehr "ohne". Das Loch wäre zu tief, in das ich falle, und keinem ist damit geholfen.
So habe ich aus einer Laune heraus Anfang März eine Floßfahrt gebucht, weil es doch vor 2 Jahren sooo schön war.
Unaufhaltsam hat sich nun der Termin herangeschlichen und oft hätte ich mich schon am liebsten in einem Mauseloch versteckt. Doch die Fahrt findet statt - zur Not ohne meine Person an Bord. Momentan freue ich mich sogar etwas darauf !
Die Kilometersteine an Straßen, Flüssen und Eisenbahnen erinnern mich an die Geburtstage. Damit man leichter abzählen kann, macht man an die Zeitachse des Lebens jedes Jahr einfach ein kleines Strichlein. Der morgige Tag ist nicht so wichtig: 72 Jahre sind vergangen, seit meine Eltern mir das Leben geschenkt haben und ich hoffe, doch einiges daraus gemacht zu haben. Auch das ist natürlich ein Grund, sich mit Freunden und Verwandten zu treffen.
Vielen Dank an die über 100.000 Besucher und Erklärung zum Bild: Hektometertafel am Semmering