Dienstag, 11. Juli 2017

Wem gilt der Dank ?

Immer wieder betone ich, dass ich dankbar bin, für die Zeit, die mir geschenkt ist. Der Dank gilt natürlich den Ärzten, die mich behandeln und der Solidargemeinschaft der Krankenkasse, die das finanziert.
Mich bei Gott zu bedanken, passt nicht zu meinem Gottesbild. Ich glaube einfach nicht, dass er sich bei der Menge von Einzelschicksalen um mich kümmern kann. Tiefgläubige Menschen werden mir da widersprechen.
Aber ich kenne eine Person, die Gott sehr nahe stand und schon zu Lebzeiten vielen Menschen geholfen hat.
In der Kapelle von Therese Neumann hängen viele Tafeln, die auch meinen Dank beschreiben: Ich bin dankbar, dass ich so eine liebe und geduldige Frau habe, bin dankbar für meine Kinder und Enkel. Nicht zuletzt bin ich auch dankbar für alle, die mich in Gedanken begleiten.
Mein Dank gilt zur Zeit natürlich auch Xtandi, das mir in Verbindung mit etwas Morphin doch recht gut bekommt.

Aber, lieber Klaus, nicht übermütig werden, sage ich mir manchmal.

Samstag, 8. Juli 2017

Schmerzen

In meiner Zeit mit dem Krebs habe ich schon viel an Schmerzen erlebt. Das ging soweit, dass mir Tränen kamen und ich nicht ohne Schmerzenslaut aufstehen konnte. Diese Erfahrungen decken sich sehr gut mit dem, was die Deutsche Krebshilfe im blauen Ratgeber 50 "Schmerzen bei Krebs" beschrieben hat. Jetzt erst kann ich das Heft so richtig verstehen. Ich war durchaus schon an höchsten Stufe 10. Meist leitete das dann einen Therapiewechsel ein. Mein Onkologe verschrieb mir auch immer großzügig verschiedene Medikamente, damit ich selbst herausfinden kann, was mir gut tut. Für sein Vertrauen, dass ich verantwortungsbewusst damit umgehe, bin ich ihm sehr dankbar.
Oft habe ich mich aber gewundert, wie schnell der Schmerz vergessen ist, wenn er weg ist. Ich sehe dann gar nicht ein, was denn da war und warum ich Tabletten nehmen muss. Ein Erlebnis werde ich aber nicht vergessen. Als die letzte Chemo zu Ende ging, zeigte sich das für mich an einem starken Anstieg der Schmerzen. In diesem Zustand rutsche ich einmal nachts aus dem Bett. Meine Frau schlief in einem anderen Zimmer, da ich wegen meiner Schmerzen schon so viel Unruhe verbreitete, und sie konnte mich nicht hören. Zudem hatte sie ihre Hörgeräte nicht in Betrieb.
Ich brauchte fast zwei Stunden, um wieder in das Bett zu kommen!!! Alles tat so weh, dass ich mich nirgends festhalten oder mich aufrichten konnte. Ich fühlte mich an Franz Kafkas Verwandlung erinnert, wo Gregor Samsa als Käfer erwachte und auch auf dem Rücken lag. Dies wird mir in Erinnerung bleiben, auch wenn es mir gut geht. Die Dosierung von Morphin habe ich nach einem Reduktionsversuch wieder auf den alten Wert erhöht - mein Arzt wird das verstehen. Auch das blaue Heft hat mir die Sicherheit gegeben, dass ich damit noch in einem akzeptablen Bereich bin. So hoffe ich, dass es mit dieser Morphindosis und Xtandi noch ein bisschen weitergeht - in diesem schönen Sommer!

Donnerstag, 6. Juli 2017

Wir sind Familie

Das ist einer der Leitsprüche, die sich der Zeitungsverlag, an dem ich beteiligt bin, gesetzt hat.
https://www.oberpfalzmedien.de/verlag/philosophie/
So wie alles fließt, sind auch meine Frau und ich endgültig in die Rolle der "Altverleger" hineingewachsen. Das wurde uns gestern wieder bewusst, als wir uns von einem wichtigen Mitarbeiter verabschiedeten, der maßgeblich zur Umgestaltung des Unternehmens beigetragen hat.
Es ist wohl bezeichnend für seine Bescheidenheit, dass heute noch kein Bericht über sein Ausscheiden zu lesen war. Alle wünschten ihm viel Glück und eine erfüllte Zeit im dritten Lebensabschnitt, den er mit 60 auf eigenen Wunsch hin begonnen hat. Auch ich hatte mit 60 meinen Schreibtisch geräumt und fast 10 Jahre, die ich ich gut genutzt habe, bis durch die Diagnose ein neues Leben begann...
Der Beifall, der laut wurde, war ehrlich gemeint und verdient. Dass aber auch geklatscht wurde, weil ich zu der Versammlung gekommen war, freute mich sehr. Scheint doch, dass viele an meinem Schicksal Anteil nehmen. Es zeigt, dass das mit der Familie keine Floskel ist, sondern gelebt wird. Dafür vielen Dank an Alle! Es war wieder einmal ein Tag, für den es sich lohnte, noch an Bord zu sein.

Nachtrag am 8.7.2017: Nun ist doch ein Bericht erschienen
https://www.onetz.de/weiden-in-der-oberpfalz/wirtschaft/oberpfalz-medien-verabschieden-geschaeftsfuehrer-reinhold-poell-motor-des-wandels-d1764592.html
Die Fotografin hat dann noch Einzelporträts von uns "Altverlegern" gemacht. Es ist wohl immer gut, wenn man so etwas in seinem Archiv hat. Wer weiß, wann schnell mal ein aktuelles Bild gebraucht wird?

Mittwoch, 5. Juli 2017

Anderen Krebskranken bleibt weniger Zeit

Ein Schlager-Superstars der 70er Jahre, Chris Robert „Du kannst nicht immer 17 sein“ ist mit 73 an Lungenkrebs verstorben.
Seine letzte Botschaft an seine Hinterbliebenen steckt noch voller Hoffnung – obwohl er sie im Angesicht des Todes verfasste. „Ich habe das Leben immer geliebt und lebe immer noch gern. Aber es betrübt mich zutiefst, dass ich jetzt nicht mehr miterleben kann, wie sich meine Kinder und Enkelkinder entwickeln.“
Dabei hatte er in seinen letzten Jahren selbst nicht viel zu lachen. Der Rosenkrieg mit seiner langjährigen Ehefrau Claudia belastete ihn sowohl psychisch als auch finanziell.
Behandeln ließ er seinen Krebs trotzdem, kämpfte mit Chemo-Therapien dagegen an, war deshalb auch jetzt in der Berliner Charité stationiert. Vor drei Wochen dann die Schock-Nachricht: Der Krebs habe gestreut, er habe keine sechs Monate mehr zu leben, erklärten seine Ärzte.
Das brach ihn offenbar. Denn es wurden nur noch drei Wochen.
Das zeigt mir wieder, wie dankbar meine Frau und ich für die lange Zeit sein müssen, die wir nun schon mit der Krankheit leben. Noch überwiegen die doch auch immer wieder guten Zeiten.

Dienstag, 4. Juli 2017

PSA- Terror

Ein Arzt, der mich liebevoll im Hintergrund begleitet, hat mir einmal geschrieben; "Lassen Sie sich von dem PSA nicht verunsichern! Es gibt den Ausdruck des PSA- Terrors, der hier seine Berechtigung hat."
Gemeint waren da wohl eher die Ängste, die entstehen, wenn in der Anfangszeit der PSA zu steigen beginnt. Auch ich habe da ein Lineal an die Kurve gelegt und einen Strich gezogen, wo er hinläuft, wenn sich nichts ändert.
In der Darstellung rechts habe ich versucht, die Schmerzen und Beschwerden über meinen Kranksheitsverlauf in einem Diagramm darzustellen, wobei 10 der schlimmste Wert ist. Es zeigt sich auch hier, dass gerade im letzten Jahr kein zwingender Zusammenhang mit dem PSA-Wert besteht. Trotzdem hatte ich mich so über die 1,7 gefreut! Doch meine linke Kopfhälfte signalisiert heute was anderes ...😞

Donnerstag, 29. Juni 2017

Wunder gibt es immer wieder ...

das war ich versucht, heute zu singen, als ich das Krankenhaus verließ. Eine große Überraschung war der kleine PSA Wert, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Ausnahmsweise will ich hier einmal ein Bild aus myprostate.eu präsentieren. Der PSA Wert ist dort ja ein ein ganz wichtiger Wert, an dem man die Verläufe der "Kollegen" beurteilt. Ich hatte diesen Wert gar nicht mehr so oft messen lassen, da er angeblich in meinem Stadium auch nicht mehr so wichtig ist. Trotzdem war es eine große Freude, dass er nach 4 Wochen Xtandi auf einen erstaunlich niedrigen Wert von 1,7 gefallen ist. Hat mir das Kleeblatt aus Kranzbach doch Glück gebracht? Der Wert deckt sich auch mit meinem Gefühl: Xtandi scheint mir gut zu tun! Abgesehen von irreparablen Schäden am Kopf, wie z.B. die kaputten Zähne, geht es mir recht gut. Das mit den Doppelbildern ist wesentlich besser geworden. Mein Onkologe hat mir nun auch schwächere Morphintabletten verschrieben, damit ich die Dosis langsam reduzieren kann.  Bleibt nur die Hoffnung, dass Xtandi lange wirkt.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Glück ?

Vor 2 Jahren habe ich mich gefreut, auf dem Krankenhausgelände ein vierblättriges Kleeblatt zu finden. Dies war dann auch noch mit einem positiven Ereignis meines Verlaufes verbunden : http://letztabent.blogspot.de/2015/06/gluck-gehabt.html
Seitdem schaue ich gerne auf den Boden, um wieder so ein Blatt zu finden. Es gab keines mehr und der Zustand meiner Augen machte es auch unmöglich.
Heute am Waldrand zu unserem Hotel fand ich eines! Hier links das Beweisfoto, wie es noch in der Wiese steht.
Aber dann habe ich das prächtige Blatt doch an mich genommen, um es meiner Frau zu zeigen. Wir beschlossen, es der Ärztin hier zu schenken, die sich liebevoll um mich kümmert und heute eine Behandlung zur Pflege meines Darmes geplant hat.

Dienstag, 20. Juni 2017

170 Höhenmeter

Eine kleine Wanderung von Kranzbach zur Elmauer Alm mit diesem Höhenunterschied war früher überhaupt kein Problem für mich.
Auch 2015, als die übliche erste Hormonentzugstherapie voll ihre Wirkung entfaltet hatte, ging das noch recht gut.
Nun, nachdem bald alle Therapien aufgebraucht sind, wagte ich noch einmal einen Besuch in unserem Lieblingshotel.
Xtandi hat mich ermutigt, die Elmauer Alm zu besuchen.
Ehrlich muss ich aber sagen, der letzte Berg, der da zu besteigen ist, hat mir meine Grenzen gezeigt! Ich wusste, dass sie montags geschlossen haben und hatte mein Cola (mit ein klein wenig Rum) dabei. Aber der Weg - ohne meine Stöcke hätte ich das nicht mehr geschafft und es hat mich schon etwas erschreckt, wie ich abgebaut habe. Andererseits ist da auch etwas Freude, es überhaupt geschafft zu haben und ein Gang über die Blumenwiesen ist einfach ein Erlebnis für das es sich lohnt, noch auf dieser Welt zu sein.
In diesem Hotel sind wir schon fast zuhause. Man weiß um meine Krankheit und alle freuen sich, wenn wir ab und zu wieder auftauchen.
Ebenso schön war auch vorher der Besuch beim Pfarrfest in unserer alten Heimat.
Ohne die Xtandi Therapie wäre das alles kaum möglich gewesen. Aber ich bin mir bewusst, dass es auch jetzt eine zeitliche Grenze geben wird. Irgendwann werden eventuell doch die Kohlen ausgepackt?

Freitag, 9. Juni 2017

Nachlassen der geistigen Fähigkeiten ???


Vor fast einem Jahr habe ich das Bild der Katze benutzt, um den Umgang meiner Krankheit mit mir, der kleinen, armen Maus zu vergleichen: http://letztabent.blogspot.de/2016/08/uroonkologie-zweites-semester.html
Einige, irreparable Schäden habe ich in diesem Kampf sicher davon getragen, schlimm sind vor allem die Störungen am Kopf durch die Knochenmetastasen. Doch scheinbar lässt mich die Böse (dank Xtandi ?) wieder einmal frech werden. Ein Aufenthalt im Kranzbach ist gebucht und der Gipfel der Frechheit: Ich will zu einem Schiller-Konzert.
Wer kennt Schiller? ich meine hier nicht den Sturm und Drang Dichter, mit dem man uns im anderen Leben einmal in der Schule gequält hat, sondern "Klangwelten". Ich habe schon einige DVDs und gehe damit öfter nachts in meinem Keller-Kino in Konzerte, die die Welt vergessen lassen.
Meine Frechheit gegenüber der Katze ist vor allem: Das Konzert findet am 21.11.2017 statt. Das wären also noch etwa 5 Packungen Xtandi bis dahin und kein Arzt hat mir das versprochen. Vielleicht zeigt sich aber bei mir auch schon eine häufige Nebenwirkung, wie sie im Beipack von Xtandi beschrieben ist: Nachlassen der geistigen Fähigkeiten, und dann auch noch dauernd Morphin ???

Dienstag, 6. Juni 2017

Danke Xtandi

Der Wechsel von Chemo nach Xtandi hat sich bewährt und das Familientreffen zu Pfingsten ist gelungen. Es war mir ein Bedürfnis, das wieder wieder mit einem aktuellen Familienbild zu dokumentieren. Einfach schön zu sehen, wie das Leben weitergeht und unsere Kinder das auf ihre Weise weitertragen, was wir gelebt und erlebt haben.
Das Bild eignet sich, um nach zudenken: Da stehen links die alten Eltern/Großeltern, die das aktive Leben eigentlich hinter sich haben. Ganz rechts das jüngste Enkelkind Feli blickt noch unbefangen und voll Tatendrang in die Zukunft. Die anderen Enkel haben mit der Schule schon erfahren, dass das Leben kein reines Vergnügen ist. Unsere Kinder und der Schwiegersohn stehen schon eher in der Lebensmitte und die großen Weichen für den Rest des ihres Lebens sind weitgehend gestellt.
Allen ist klar, wie es um den Papa/Opa steht. Aber wir denken, dass doch noch mit ein paar Monaten zu rechnen ist und auch die Zähne haben sich einigermaßen beruhigt. Daher kann er sich über das Treffen freuen, während die betroffene Ehefrau eher skeptisch in die Zukunft blickt, da sie ahnt, was sie vermutlich erwartet, wenn sie alleine mit ihrem Leben fertig werden muss ...