Dienstag, 12. August 2014

Zeit

Jeder Krebskranke hat wohl das Erlebnis, dass mit dem Zeitpunkt der endgültigen Diagnose eine neue Zeitrechnung beginnt. Bei mir ist nun ein halbes Jahr vergangen, in dem ich schon einiges erlebt habe.
Es trifft sich gut, dass es morgen so weit ist, meine Uhr aufzuziehen, die dann wieder 1 Jahr läuft. Werde ich sie noch einmal - oder sogar öfter - aufziehen können?

... und wieder das Thema Sterbehilfe

"Souverenität bis zum letzten Atemzug" forderte ein Vertreter der "Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben" kürzlich bei einem Vortrag in Regensburg. Angeblich sind laut einer Forsa-Umfrage 70% der Bevölkerung für eine aktive Sterbehilfe.
Doch unsere Politiker führen einen unsäglichen Eiertanz um die dieses Thema auf, der Ärzte und Pfleger verunsichert oder kriminalisiert.
Wenn Geburtshilfe erlaubt ist, warum soll es dann am anderen Eckpunkt des Lebens keine direkte Hilfe geben? Ich bin sicher, dass ich ein Ende dieser Debatte in Deutschland nicht mehr erleben werde und bin daher schon mal Mitglied bei "Dignitas" (Schweiz) geworden.
Mit großem Interesse habe ich folgendes Buch gelesen: "In "Der sanfte Tod" verteidigt Maurits Verzele das Recht jedes Menschen, über seinen Tod selbst zu entscheiden. Er respektiert den persönlichen Entschluss zum Freitod, wenngleich er nur ganz bestimmte Motive als Grund dafür billigt."
Am besten hat mir der Schlusssatz in diesem Buch gefallen;
"Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie zur Tat schreiten!
Das Leben ist schön, besonders wenn man weiß, wie man problemlos und ohne Schmerzen ein Ende machen kann."

Montag, 11. August 2014

Keine Arzttermine?

So fragte meine Frau heute etwas ungläubig. Aber so ist der Mensch, so bald es gut geht, beginnt er sich zu langweilen. Ich habe aber heute an meiner "vorletzten Ruhestätte" gearbeitet. Der Sound passt nun und alle Optionen für Fernsehen sind eingerichtet. Habe die Anlage mit Musik von "Hangar-7" getestet.
Wenn ich mir vorstelle, wie es mir ginge, wenn ich ohne ärztliche Hilfe geblieben wäre, bin ich sehr dankbar und genieße die geschenkte Zeit...

Sonntag, 10. August 2014

Positiv denken

Mein Lieblingsberg ist der Breitenstein und in den vergangenen Jahren war ich jedesmal oben. Ich verkündete immer selbstbewusst: wenn ich das nicht mehr schaffe, werde ich alt.
In diesem Jahr haben wir die Reise in diese Region abgesagt (so wie viele andere, geplante Reisen).
Doch nun, gut ausgeschlafen und schmerzfrei, überlege ich, ob sich das nicht doch nachholen lässt. Aus diesem Grunde habe ich auch schon mal mein Profilbild geändert!

Freitag, 8. August 2014

Wieder eine Nacht überstanden



Es ist 6 Uhr morgens, nach "Herumgeistern", wie es meine Frau nennt, um 2 und um 4 bin ich  nun endgültig aufgestanden. Die Gefühle in den Beinen wurden doch so unangenehm, dass ich nicht mehr entspannt schlafen konnte. Mit Schmerzmitteln will ich nicht schon wieder anfangen und an eine Neuauflage meines Schmerztagebuches denke ich auch noch nicht. Aber da ist eben die Angst vor einer neuen Schmerzperiode und wenn ich da schlaflos im Bett liege, sehe ich vor meinem geistigen Auge das Röntgenbild von meinem Skelett mit den vielen weißen Flecken. Eine neue Aufnahme ist erst im September geplant...
Aber, es gilt den Tag zu nutzen, die Zeit ist zu kostbar, um so viel davon zu verschlafen! Eine neues Projekt wartet auf mich: Ein meist leerstehendes Kinderzimmer richte ich für meine Bedürfnisse her. Dies gilt insbesondere für die multimediale Ausstattung. Viele brauchbare Teile habe ich im Keller gefunden, den ich auch auch noch aufräumen will. Aber das ist eine andere Geschichte...

Ein guter Tag und Rückblick

Meine Frau meinte, ich flitze herum wie früher. Abgesehen von schlechtem Schlaf fehlte auch nichts. Etwas Wehmut kommt aber auf, wenn ich auf das letzte Jahr zurückblicke, was wir da alles unternommen haben,

z.B. die letzte(?) Kreuzfahrt rund um England und dann noch an der Nordseeküste.
Eine kleine Radtour war noch möglich, aber es begannen schon die Schmerzen im Rücken, die keiner deuten konnte. Und in diesem Jahr mussten wir alles absagen, da es nicht mehr planbar war. Traurig war der letzte Gang in unser Reisebüro. Wir hatten eine Fernreise nach Asien gebucht und die war auf keinen Fall mehr durchführbar.

Donnerstag, 7. August 2014

Todkranke Ehefrau litt an extremen Schmerzen


"Brutale Schmerzen" Dieser Artikel hat mir heute zu Denken gegeben. Sieht es so aus in der letzten Schlucht?
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Weiden. (ca) Im Prozess gegen den ehemaligen Bauunternehmer Kurt N. aus Bodenwöhr wegen Totschlags gibt es immer mehr Hinweise auf einen gescheiterten gemeinsamen Suizid. Landgerichtspräsident Walter Leupold las aus einem Schreiben des Angeklagten vor: "Wollten in Torbole am Gardasee gemeinsam aus dem Leben gehen." Am Ende ging es seiner todkranken Frau selbst dafür zu schlecht: "Sogar der Felix (eine Anhöhe mit einer Wallfahrtskirche) in Neustadt war zu viel".

Der Hausarzt aus Weiden bestätigte den dramatischen Zustand. Inge N. (61), "eine attraktive Frau, die jünger aussah", war über 20 Jahre seine Patientin. Seit 2011 litt sie an einem Tumor, der operiert wurde. Die Chemotherapie verlief "relativ gut". "Man machte sich Hoffnungen, dass es zur Genesung gekommen war." Im März 2012 ergab eine Nachuntersuchung ein weiteres Fortschreiten des Tumors mit Metastasen im Bauch und entlang der Gefäße. Die Onkologie empfahl eine palliative Chemo, also eine nicht auf Heilung zielende Therapie: "Das war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr realistisch."

"Es ging ihr ab Juli subjektiv wesentlich schlechter." Die Beine schwollen an, der Bauchumfang nahm durch den Tumor zu. Im August und September musste sie aufgrund innerer Blutungen stationär behandelt werden. Ab Juli waren die Schmerzen so stark, dass sie vom Klinikum mit vier verschiedenen Opiaten versorgt wurde. Der Internist sah sie zum letzten Mal am 22. August und schätzte da ihre Lebenserwartung auf drei bis sechs Wochen. Leupold. "Sie hat also sogar noch länger gelebt, als Sie ihr an Lebenserwartung gaben?" Der Arzt:. Das kann man sagen." Das Verhältnis des Ehepaars sei immer einvernehmlich gewesen. "Er hat mitgelitten."

Kam ein Freitod in Frage? "Jeder in der Situation stellt sich die Frage, ob es die Möglichkeit zum Freitod gibt", sagt der Internist. Das Einwachsen des Tumors in das Nervengeflecht verursache extreme Schmerzen. Schmerzen, die nicht immer gelindert werden können, wie Prof. Dr. Peter Betz, Rechtsmediziner aus Erlangen, wusste: "Gerade Tumorschmerzen sind ganz brutal. Sie können mit der Konzentration der Morphine schon hochgehen, aber das ist immer eine Gratwanderung zwischen Atemlähmung und Schmerzempfinden."

Sein Kollege Prof. Dr. Stephan Seidl hatte die Leiche obduziert. Er stellte zwei Schädeldurchschüsse fest. Dabei wurde die Pistole, eine Derringer, an der rechten Schläfe aufgesetzt. Der Schusskanal beider Schüsse laufe erstaunlich parallel etwas nach oben. Für Institutsleiter Prof. Betz "spricht das mehr dafür, dass die Schüsse von einer Person ausgeführt worden sind". Der dritte Schuss erfolgte mit zeitlichem Abstand mit dem Revolver in den Nacken und durchschlug Rückenmark und Hals.

Bei der Festnahme in München hatte der 64-Jährige Polizisten den Tatablauf geschildert. Seine Frau habe an starken Schmerzschüben gelitten. Am Vortag habe sie versucht, die Pistole abzudrücken, war aber zu schwach. Einen Notarzt wollte sie nicht. "Sie wollte keinen Arzt mehr sehen, kein Krankenhaus und keine Chemo." Schon länger sei Suizid ein Thema gewesen. "Das hat sich zugespitzt", gibt ein Kripobeamter die Aussagen von Kurt N. wieder.

Als nachts erneut ein Schmerzschub auftrat, habe sie ihren Mann um Hilfe angefleht. Beim Verlassen des Schlafzimmers habe er hinter sich den Schuss gehört. Seine Frau sei schwer verletzt und röchelnd auf dem Bett gelegen. Daraufhin habe er ihr die Pistole aus der Hand genommen und in die Schläfe geschossen. Als sie noch immer nach Luft schnappte, habe er aus dem Tresor im Untergeschoss seinen Revolver geholt, um "das Leiden zu beenden".

Ein plausibler Tathergang? Durchaus, meinen die Rechtsmediziner. Nur in einem Punkt könnte sich der Angeklagte geirrt haben: Die Patientin war möglicherweise schon nach dem ersten Schuss tot. Betz: "Laien denken immer: Der röchelt, also lebt er noch. Aber das kann finale Schnappatmung sein, der Hirntod liegt da längst vor. Es dauert nach einem Schädelbasisbruch eine gewisse Zeit, bis Blut in die Luftröhre fließt." Die DNA-Spuren an der Pistole halfen nicht weiter. Sie sind von Inge N. Das könne laut Rechtsmedizin aber auch am "Blutstaub" liegen.

Mittwoch, 6. August 2014

Das letzte Abenteuer

Jetzt will ich doch mal versuchen, zu erklären, was ich mit dem letzten Abenteuer meine. Gut dazu eigenen sich Bilder von unserer Reise durch Namibia:
Im fortgeschrittenen Alter gerät man auf einen bequemen, geraden Lebensweg, das Ende ist nicht zu sehen. Im Laufe der Zeit wird man langsamer und irgendwann ist die Reise dann wohl zu Ende.
Die Diagnose im Februar hat mir gezeigt, dass ich diesen geraden, einfachen Weg verlassen habe.Zwei Berge habe ich nun schon erklommen (Strahlentherapie, Operation) und es zeigte sich, dass wieder ein Weg weitergeht. Es tut gut zwischendurch wieder auf dem geraden Weg zu sein,
denn irgendwann werde ich in der Schlucht ankommen, aus der kein Weg herausführt.
Es soll aber keiner glauben, dass ich die Krankheit immer so sehen kann! Es gibt auch eine ganz andere Sicht der Dinge, die mich gelegentlich überfällt...

Das "Bauchgehirn" erleben?

Jeder kennt es, das seltsame Gefühl im Bauch vor großen Ereignissen. Bei Wiki findet man folgenden Versuch der Erklärung:

"Umgangssprachlich wird unbewusst auf das Bauchgehirn durch folgende Äußerungen verwiesen: „Kribbeln im Bauch“, „auf den Magen geschlagen“, das „Schmetterlingsgefühl“ im Bauch, oder es werden „Entscheidungen aus dem Bauch heraus“ getroffen. Einfach so dahin gesagt? N E I N – denn dahinter stecken eigenes Erleben und untrügliche Erfahrungen. Das kann jeder ältere Mensch bestätigen, denn er nimmt tagtäglich diese „stille Kompetenz“ die uns das Bauchgehirn vermittelt, unbewusst in Anspruch."

Momentan geht es mir gut, ich führe nahezu ein normales Leben. Aber ab und zu kommt es aus dem Bauch: Da kommt was Großes auf Dich zu! Ist es das letzte Abenteuer?

Wie viele Jahre bleiben noch?

Auch ich habe unterschrieben, dass meine Daten in die Forschung einfließen. Es ist aber schwer, aus den Arbeiten für den Einzelfall eine Prognose zu bekommen. Für meinen Fall habe ich im Internet folgende Tabelle für die Zeit nach der Erstdiagnose gefunden:

Jahr    Überlebende von 100
1       85
2       75
3       62
4       57
5       42
6       35
7       28
8       20
9       15
10     12