Donnerstag, 17. Mai 2018

Gibt es noch Therapien?

In großer Not habe ich mich vor ein paar Tagen bei unserer Onkologie gemeldet und auch tatsächlich in einem kompetenten Arztgespräch Hilfe bekommen - vielen Dank!
Es wurde klar, dass wir mit den Theraphien am Ende sind. Insofern weiß ich auch nicht, was ich morgen beim Procas Treffen noch diskutieren könnte und werde daher zuhause bleiben. Ich hoffe, meine Freunde verstehen das.
Nachtrag: Ich habe das Treffen doch noch besucht und war überrascht von der verständnisvollen Aufnahme in der Gruppe. Vielen Dank an alle, die verstehen, dass ein nahendes Ende nicht mehr wegdiskutiert werden kann, auch wenn ich es sogar noch bis zu einem kurzen Besuch beim Volksfest schaffte.
Alle vielfach beschriebenen Anzeichen für das Ende treten auf  und die Schmerzen sind auch mit Morphium nicht mehr ausreichend in den Griff zu bekommen.
Über das Ende habe ich schon so viel gelesen. Aber wenn es sich dann wirklich abzeichnet, ist es doch noch einmal ganz, ganz anders!
Zum Besuch einer professionellen Palliativ-Einrichtung konnte ich mich noch nicht aufraffen und ich sage jetzt einfach mal vielen Dank und Tschüß!

Donnerstag, 26. April 2018

Ein Wegbegleiter

Schon bald nach der Diagnose hat mir meine Schwester ein Buch von dem CDU-Politiker Wolfgang Bosbach geschenkt, der die gleiche Krankheit hat und öffentlich damit umgeht. Mit großem Interesse habe ich heute gelesen, dass er nun an einem ähnlichen Punkt angekommen ist wie ich. Der Focus berichtete im Februar:

Krebskranker Bosbach hat genug von Tabletten: „Mache mir keine Hoffnung mehr“
Im Kampf gegen den Krebs hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach nichts unversucht gelassen - sogar „Wundermittel“ habe er geschluckt, erzählt er. Hoffnung auf Heilung habe er aber keine mehr. Sein Ziel: Die Wahlperiode zu Ende bringen.

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach lehnt es ab, die Medikamentendosis im Kampf gegen seinen Prostatakrebs erneut zu erhöhen. Dem Hamburger Magazin „Stern“ sagte der  61-Jährige: „Am Anfang hieß es, die Operation kann helfen. Hat sich zerschlagen. Dann Bestrahlung. Zerschlagen. Jetzt soll ich noch mehr Tabletten nehmen. Das mache ich nicht. Ich mache mir keine Hoffnungen mehr, die unrealistisch sind. Bei mir geht es nicht mehr um Heilung, nur noch um etwas Lebensverlängerung.“
Bosbach erzählte dem „Stern“ weiter, dass er im Kampf gegen die Erkrankung auch Akupunktur gemacht, alternative Heilmethoden angenommen und sogar taiwanesische Wundermittel geschluckt habe. Viel gebracht habe jedoch auch dies nicht. 
Das Leben langsamer angehen zu lassen, kommt für den CDU-Abgeordneten nicht in Frage. „Mein Arzt riet mir: Machen Sie das, was Sie am liebsten machen.“ Das sei für ihn ein wunderschöner Satz gewesen. Auch seine Töchter haben ihn nicht zum Kürzertreten bewegen können. „Wir haben es wirklich versucht", sagte seine älteste Tochter Caroline dem Magazin. „Er hat es versprochen.“ Dennoch habe sie ihren Vater nicht häufiger gesehen. Caroline Bosbach: „Er kann nicht anders. Er braucht das. Wenn er arbeiten kann, ist er glücklich.“ 
Als ihr Vater den Kindern vom Krebs erzählte, seien sie alle am Boden zerstört gewesen. „Aber er hat nie geklagt, sondern gesagt: Alles wird gut, seid nicht traurig, noch steh' ich munter vor euch. Er war derjenige, der Trost spendete, obwohl es ihn betraf.“

Letzteres kann ich nur bestätigen! Am meisten Freude macht es mir, wenn ich trotz beschlossenem Rückzug noch viele kleine Dinge schaffe, die den Hinterbliebenen einmal hilfreich sein können. Sie haben auch gelernt, wie mit mir umzugehen ist und dafür bin ich allen sehr dankbar. Mal sehen, was aus der neuen Chemo wird. Es bleibt spannend, das letzte Abenteuer!!!

Sonntag, 8. April 2018

Ich hab' mich so an dich gewöhnt

Das werde ich morgen nach dem Frühstück singen, wenn ich die letzten Xtandi nehme:
Es waren 12 Schachteln, mit  jeweils 112 Weichkapseln, also insgesamt 1344 Kapseln. Rückblickend hat mir die Therapie meist gut getan und gerade im zurückliegenden 2017 noch gute Wochen beschert.
Übernächste Woche beginnt wieder eine Chemo, aber diesmal mit Cabazitaxel und keiner weis, wie das bei mir wirken wird. Geht also doch schon etwas in die Richtung "letzter Strohhalm". Die Wirkung von Xtandi hat aber leider unvermeidbar deutlich nachgelassen und die allgemein bei Krebs beschriebenen Beschwerden werden zunehmend kräftiger. Morgens ist es sehr schwer, überhaupt "in die Gänge" kommen.
Das Gefühl "was soll ich denn noch hier" kommt immer stärker hoch und ich muss an den "Kollegen" denken, der aus dem Uro-Onko-Arztzimmer kam und uns im Wartezimmer Wartenden zu rief: "Denkt daran, Andere wollen auch leben auf dieser buckligen Welt".

Dienstag, 27. März 2018

Das Lebensende

So leuchtete mir heute wieder einmal eine Schlagzeile in der Süddeutschen Zeitung entgegen. Also Klaus, stell Dich nicht so an, es ist ein ganz normales Stück Lebensphase, das Dir vor 4 Jahren noch so einmalig vorkam. Das "wie" hast du ja schon selbst in die Hand genommen und nur mit dem "wann" kämpfst du noch herum.
Seit der Diagnose habe ich viel mit der Krankheit gekämpft und mit Hilfe der Ärzte alle möglichen Therapien durchschritten. In der Selbsthilfegruppe wurde klar, dass jeder Krebsfall anders ist und ich eigentlich gar nicht so schlecht weggekommen bin. Aber jetzt komme ich an den Punkt, wo mein Körper Signale sendet, dass er einfach immer weniger kann oder mag !!!!
Bei dem schönen Wetter heute habe ich mal nachgesehen, wo ich landen werde: Mein Platz hinter Frau Essigkrug an der Mauer ist noch frei. Mit dem Thema Tod will ich mich einfach nicht mehr beschäftigen. Ich habe so viele Bücher gelesen und es ist einfach eine Freude, noch am Alltag teilzuhaben, auch wenn die Aktivitäten immer kleiner werden. Darum gibt es auch im Blog nicht mehr viel zu berichten.

Allen Lesern vielen Dank für ihr Interesse und Mitgefühl!

Samstag, 17. März 2018

Urlaub von der Krankheit

Ich muss zugeben, die zurückliegende Strahlentherapie auf den Schädel hat mich doch ziemlich fertig gemacht. Für Vorgänge, die mir früher locker von der Hand gingen, brauche ich wesentlich mehr Zeit und ich fühle mich am besten, wenn ich mich in mein Reich zurückziehen kann und keiner was von mir will. So habe ich mich natürlich schon interessiert, als ich unseren aktuellen "Gong" aufschlug und über die Erfolge der Immuntherapie las (aktuell für mich einsatzbereit in ein paar Jahrzehnten). Heute dagegen arbeite ich mit Schmerzbekämpfung, überwiegend auf  Morphin Basis und einer auslaufenden Xtandi-Therapie. Vielleicht hat auch die Strahlentherapie auf den Schädel doch geholfen, dass es mir tatsächlich gelungen ist, daraus so eine Art Urlaub von der Krankheit zu basteln und ich hoffe, dass es bis Ostern reicht, um  noch einmal mit dieser ganzen Latte von Krebsbegleiterscheinungen fertig zu werden, die zeigen, wohin die Reise geht (Gewicht, Müdigkeit usw.)!

Donnerstag, 8. März 2018

Es sind doch nur Haare!

Als ich heute morgen zum Kamm griff, um mich für meine Umwelt bereit zu machen, wunderte ich mich doch, wie das Gerät nach einem kurzen, ersten Strich über meinen Kopf aussah. Von den 18 geplanten Terminen für die Schädelbestrahlung sind nun 10 überstanden und ich traute mich kaum vor den Spiegel.
In drei Monaten sollen sie nachwachsen und es gibt ja noch genügend Bilder von mir mit  ausreichender Haarpracht.
Mehr als die Haarpracht machen mir schwer durchschaubare Bewusstseinsveränderungen zu schaffen. Bitte haben Sie Verständnis, wenn meine Beiträge hier seltsam werden. Ist der Abschied von dieser Welt schon eingeleitet???



Nachtrag am 8.3.2018 am Nachmittag:
Es gibt noch einmal eine Runde Xtandi, da wir das Ende der Bestrahlungen abwarten wollen, Haarverlust gehört eben auch zum Programm. Aber von hinten sieht es schon komisch aus:

Dienstag, 20. Februar 2018

Der frühe Vogel

Lange - etwa 4 Jahre - ist es her, dass ich schon Einkaufen war, während meine Frau erst langsam wach wurde. Sie hat mir dann diese Tafel geschenkt, die heute noch in Sichtweite  von unserem Bett aus hängt. Meist gehe ich recht spät ins Bett, weil ich vor dem nächsten Morgen Angst habe. Es ist dann auch ganz schwierig, "in die Gänge zu kommen". Aber Aufgestanden wird! Es tut mir immer leid, dass dann meine Frau erst einmal einen Mann hat, wie sie ihn sich sicher nicht gewünscht hätte. Aber, was haben wir uns versprochen? "In guten wie in schlechten Zeiten" und irgendwann wirken dann doch die kleinen Morphin Tabletten. Soviel nur mal kurz aus dem Alltag eines Krebskranken, dem es eigentlich doch gut gehen sollte.
Nachtrag am 27.2.18
Heute musste ich den frühen Vogel spielen! Die freien Termine für die Bestrahlung sind rar und werden von einem Tag auf den anderen vergeben. Ich war heute für 6Uhr30 eingeteilt. Zu dieser Zeit bei -12Grad pünktlich vor Ort zu sein, führte mich an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit. Als ich fertig war, sah ich, das schon mindestens 3 Betten mit stationären Patienten im Morgengrauen vorgefahren waren. Selten bin ich so gern wieder in mein heimisches - fast noch warmes - Bett gestiegen und habe noch einmal wunderbar geschlafen ...

Freitag, 16. Februar 2018

Was in der Zeitung steht

Egal wie die Nacht und das Aufstehen waren, die Lektüre der Zeitung gehört wesentlich zum Start in den Neuen Tag.
Die Überraschung heute war groß, als meine Frau da ihren Mann entdeckte und das kam so: Im Jahr 2015, genau gesagt am 6. Juli 2015, erschien in unsrer Zeitung ein Interview mit mir http://letztabent.blogspot.de/2015/07/das-leben-geht-weiter.html . Ich war damals gerade auf dem Höhepunkt der Wirksamkeit der ersten Hormontherapie und entsprechend positiv fiel das Ganze natürlich aus. Neulich sprach ich mit dem zuständigen Redakteur und fragte, ob ein Update möglich wäre. Natürlich immer mit dem Hintergrund, andere Männer auf die Notwendigkeit der Vorsorge hinzuweisen. Besonders wichtig war mir auch der Hinweis auf das hervorragende Krebsbuch, an dem Prof. Burger mitgearbeitet hat. Siehe: http://letztabent.blogspot.de/2018/01/gemeinsam-schaffen-wir-das.html
Ich bewundere die Arbeit unseres Chefs für regionale Reportagen, wie er es schafft, nach einem kurzen Gespräch mir und wohl auch anderen in meiner Situationen den Spiegel vorzuhalten, wie wir sein wollen. Manchmal schaffen wir es auch, so zu sein und diese Zeiten gilt es zu genießen. Vielen Dank Herr Herda! Wer keinen Zugang zu unserer Zeitung hat, kann es hier versuchen:
https://www.onetz.de/regensburg/vermischtes/klaus-panzer-spricht-ueber-seinen-alltag-mit-prostatakrebs-opa-geht-auf-die-letzte-reise-d1816984.html

Sonntag, 11. Februar 2018

Der Weg ist das Ziel

Viele Gedanken sind in der letzten Woche über mich gekommen. Da war heute das Don Bosco Fest. Hier wird jungen Leuten geholfen, den richtigen Weg in das Leben zu finden. Dann haben sich in meinem Bekanntenkreis zwei 100 jährige verabschiedet und mir wurden mit dieser Schachtel Xtandi noch einmal 4 Wochen Leben bzw. Überleben geschenkt. Alle interessanten Ziele, wie sie z.B. in den schönen Prospekten von Hapag Lloyd in das Haus flattern, werde ich nicht mehr erreichen. Aber mein Lebensziel war ja der Weg!
Der Tod der Hundertjährigen hat mich angestoßen, 100 Jahre Leben in 4 Stücke zu teilen:
a) Kindheit, Schule, Ausbildung und eventuell Gründung einer Familie. Schön ist es, wenn man am Ende dieser Zeit schon sagen kann: "Ich bin angekommen"
b) Die Rush Hour" des Lebens beginnt! Der Körper hat den Gipfel seiner Leistungsfähigkeit erreicht. Rein biologisch gesehen wird es höchste Zeit, dass er seine Pflicht erfüllt. Das Leben erscheint aber noch unendlich.
c) Die 50 sehen wir oft schon zwiespältig. Für Personalabteilungen in großen Unternehmen bist du mit diesem Alter schon uninteressant. Am Gehaltsniveau wird sich nichts mehr ändern und es wird höchste Zeit, an die Altersvorsorge zu denken (auch bezüglich der Gesundheit, wobei ich mich bei diesem Punkt an der eigenen Nase ziehen muss).
Es ist schon eine kalte Konsequenz, wenn es heißt: Ihr seid alle noch so gesund und fit. Dann arbeitet gefälligst länger.
Ich hatte ja das Glück, dass ich mit 58 meinen Schreibtisch räumen konnte. So blieb viel Zeit für Projekte zuhause und große Reisen, zumal sich die Kinder auch schon in ihr eigenes Leben verabschiedet hatten.
d) Diesen letzten Abschnitt von etwa 75 bis 100 gibt es noch gar nicht so lange. Das sieht man, wenn man das Alter der eigenen Vorfahren betrachtet. Bei jedem, den man fragt, ob er so alt werden will, kommt meist der Nachsatz: Aber bitte nur, wenn ich gesund bleibe.
Es gibt den schönen Spruch: "Das Alter lügt nicht". Da helfen auch alle Fitness- und Ernährungsprogramme nicht - die innere Uhr tickt! Taj Mahal, das Denkmal einer großen Liebe werde ich nicht mehr sehen. Da hilft auch eine Packung Xtandi nicht.
Aber meine drei ersten Abschnitte des Lebens waren voll von Eindrücken und es war toll, dass ich etwa zwei davon mit meiner lieben Frau erleben konnte.
Nun wird es ernst: Die Metastasen am Schädelknochen haben sich gefährlich nahe an das Hirn herangearbeitet. Ob eine weitere Bestrahlung noch etwas helfen kann, wird sich morgen zeigen!

Sonntag, 4. Februar 2018

Alarm am Lebensabend

Heute ist Weltkrebstag (Bild oben aus der SZ) und es ist wirklich ein bedeutsames Zusammentreffen, dass ein paar Tage vorher Heribert Prantl einen Leitartikel mit dem oben genannten Titel schrieb.
Alarm am Lebensabend
Der Pflege-Imperativ: Pflege die Alten so, wie du selber einmal gepflegt werden willst!
Warum gibt es keinen Aufstand? Warum ist der Pflegenotstand ein alltäglicher Zustand? Er schreit zum Himmel; die Behandlung der alten und der dementen Menschen gleicht bisweilen einer Bestrafung dafür, dass sie so alt geworden sind. Ist das Altwerden eine Schuld, die Sanktionen nach sich ziehen muss, die in Pflegeheimen vollstreckt werden? Die Erklärung der bisweilen grausigen Zustände, die in so manchen Heimen herrschen, gelingt nur einem solchen Zynismus. Altenheime gehören, auch wenn es durchaus vorbildliche Heime gibt, zu den skandalträchtigen Örtlichkeiten hierzulande....
Mehr Text in der SZ vom Freitag 2.2.2018
Mein Kommentar dazu: Da wird gerade in der Krebsforschung ein immenser Aufwand getrieben, um uns Krebskranken noch einige gute Zeit zu ermöglichen. In vielen Fällen gelingt das auch und ich persönlich bin allen Beteiligten sehr dankbar dafür.
Wenn nun aber wirklich alle Therapien ausgeschöpft sind? Warum kann man das nicht ehrlich sagen und einen letzten Weg vorschlagen? Wirkt da immer noch die Zeit, wo "Selbstmörder" nur außerhalb des Friedhofs beerdigt werden durften? Sicher treffen wir oft auch auf eine gute Palliativmedizin, aber ich wünsche mir offenen Umgang mit einer finalen Therapie. Das würde vielen Betroffenen helfen und den Abschied aus diesem Leben erleichtern. Ich meine, die Zeit wäre reif dafür!!!